"Loslassen" ist der rote Faden durch alle Szenen

Passio 2019: Regie-Duo leitet die Schönberger Passionsspiele

Der Countdown läuft. Nur noch zwei Wochen, dann startet in St.Vith ein ehrgeiziges und einzigartiges Projekt, das weit und breit seinesgleichen sucht. Die Schönberger Passionsspiele, die über mittlerweile zwei Jahre gewachsen und gereift sind, werden auch in diesem Jahr wohl 5000 Besucher aus nah und fern in ihren Bann ziehen.

von Lothar Klinges

  Fotos von den Proben:

  Fotos von den Proben

Die Passion bestimmt seit vielen Monaten für etwa 80 Spieler(innen) und fast ebenso vielen Mitarbeiter(innen) hinter den Kulissen die Zeitrechnung. Es gibt „vor der Passion“ und „nach der Passion“. Alles im persönlichen Bereich behält man sich für „danach“ auf. Am 23. März ist es soweit: Premiere im Triangel, wo die technischen wie kreativen Voraussetzungen ungleich größer sind als am angestammten Platz in Schönberg, wenngleich die Gesamtleitung dieses Großereignisses nach wie vor in den Händen des Organisationsteams aus den Pfarren Schönberg und Mackenbach liegt.

In einer Fest- oder Turnhalle wie der von Schönberg sei Theateratmosphäre und das logistische Drumherum von Garderobe bis Beleuchtung nur mit großem personellem, zeitlichem und finanziellem Aufwand zu bewältigen,  erklärt Alfons Velz, der zusammen mit dem erfahrenen Spieler Robert Schmetz  aus Kelmis das Regie-Duo bildet. "Außerdem haben wir im Triangel die Möglichkeit, mittels einer ganz großen Leinwand unzählige Bühnenbilder zu projizieren, die nicht nur Hintergrund und Stimmung vermitteln, sondern darüber hinaus noch deutliche Botschaften transportieren können", betonen die beiden Regisseure, denen trotz „Ausnahmezustand“ eine sagenhafte Ruhe anzumerken ist. Die Passionsspiele bleiben die Schönberger Spiele mit ihrer typischen Verflechtung der Gegenwart mit der biblischen Ebene,  auch wenn mehr und mehr Spieler und Mitarbeiter aus ganz Ostbelgien und darüber hinaus mitwirken.

Am Anfang der Überlegungen zu den sechsten Schönberger Spielen hatte das Organisationsteam im Sommer 2017 mehrere zentrale Themen festgelegt: die Auseinandersetzung mit den verschiedenen Weltreligionen, die - teils damit direkt verbundene - Frage nach dem Stellenwert der Frau und nicht zuletzt das Loslassen und die Bereitschaft, unsere Lebensweise in Frage zu stellen. Themen, die sich heute, zwei Jahre später, immer noch, sogar mit verstärkter Kraft, in den Vordergrund drängen, unterstreichen die Regisseure. "Die Proteste der Gelbwesten und die Demonstrationen der jungen Klima-Aktivisten zeugen davon." Zu diesen Themen wurden die passenden Bibelszenen ausgewählt und in eine moderne Rahmenerzählung eingebunden. "Schließlich haben wir uns für den Jakobsweg entschieden, denn er bietet Raum für Suche, Gespräche und Konflikte." Die Anregung dazu und einige Motive für Figuren oder Handlung hat ihnen der Film „Dein Weg“ von Emilio Estevez aus dem Jahre 2010 geliefert.

Nunmehr begannen die beiden Regisseure mit der Konstruktion der Geschichte, wo Szenen und Botschaften aus den Evangelien nahtlos in Episoden des Jakobsweges übergehen oder sogar mit ihnen zusammenfließen. Am Ende des Recherche- und  Schreibprozesses stand im Frühsommer 2018 eine einzige Geschichte mit dem Titel „Loslassen“. Dieser Titel ist der rote Faden, der sich durch alle 27 Szenen - modern wie klassisch - zieht. "Das Damals wird zum Heute und das Heute ist das Damals." Bis zum definitiven Text war allerdings noch ein weiter Weg zu gehen. Der erste Schritt führte über Kennenlernspiele, Vertrauensübungen und Improvisationsphasen mit den Spielern. In einem zweiten Schritt wurden Texte von den Spielern selbst entworfen und vorgetragen. Das so angereicherte Script diente ab Dezember 2018 als Unterlage für das Stellen und erste Einproben der Szenen. Der Text - der übrigens im Internet für die Spieler immer in der neuesten Fassung zugänglich war - erfuhr auch dann noch ständig Veränderungen, Anpassungen, Erweiterungen oder Kürzungen. Der letzte Monat vor der Premiere diente als dritter Schritt, als Festigung und bühnenmäßige Ausgestaltung des Erarbeiteten.


Das Wort “Passionsspiel” weckt bei Männern des öfteren "Fluchtreflexe"

Seinem Leben eine neue Richtung geben

Bei den Schönberger Passionsspielen gibt es jedes Mal Neuheiten. Was diese Spiele unter den rund achtzig europäischen Passions-Inszenierungen auszeichnet, ist die bewusste Verzahnung der klassischen und modernen Szenen zu einer einzigen Geschichte. Als Konsequenz wurden diesmal nur Bibelszenen verwendet, deren Botschaft dem Motto „Loslassen“ entspricht. Dass dabei der allseits bekannte Rahmen des traditionellen Leidensweges von Palmsonntag bis Karfreitag gesprengt wird, versteht sich von selbst.

Die Bereitschaft, seinem Leben eine neue, andere Richtung zu geben, sich bewusst für einen Lebenssinn oder Lebensweg zu entscheiden, steht im Mittelpunkt. Für einen solchen Ablöseprozess von ausgetretenen Pfaden gibt es im menschlichen Leben immer wieder innere oder äußere Anstöße. "Wer sich ihnen stellt, macht tiefe Erfahrungen, trifft einschneidende Entscheidungen und begibt sich auf eine spannende, oft schmerzliche, aber meist fruchtbare Reise. Dies gilt für beide Ebenen, die klassische und die moderne", erklären die Regisseure.

Es war nicht einfach, Männer und jüngere Menschen unter 40 Jahren als Schauspieler zu finden. Für Alfons Velz und Robert Schmitz liegt es vielleicht daran, dass es bei den Rollen oft ums Eingemachte geht. Frauen seien eher bereit, sich öffentlich mit schweren Themen wie Verlust, Angst, Enttäuschung und Veränderung auseinanderzusetzen. Schon das Wort “Passionsspiel” wecke bei Männern des öfteren "Fluchtreflexe". Nur intensives Gespräch darüber, was die Spiele ausmachten, half bisweilen, Männer zu überreden, mit einzusteigen. Ähnlich ist es bei jungen Menschen. "Sind sie aber einmal eingestiegen und haben sie einmal die intensive Gruppendynamik erfahren, werden sie schnell zu begeisterten Akteuren."

Vor sieben Jahren waren die Regisseure sehr froh, direkt nach dem Passionsspiel im Foyer des Triangel mit den Zuschauern austauschen zu können. "Die Begeisterung direkt zu spüren oder Kritik aus erster Hand zu erleben, vor allem aber Fragen gestellt zu bekommen und in Gespräche über einzelne Aspekte der Spiele hinein zu gleiten, war für uns alle sehr bewegend und motivierend." Auch in diesem Jahr streben sie an, die Zuschauer nicht mit vorgekauten Botschaften nach Hause gehen zu lassen, sondern dazu beizutragen, dass sie viele Fragen und viel Gesprächsstoff für die ganze Familie im Gepäck nach Hause tragen.


NACHGEFRAGT

Robert Schmetz und Alfons Velz, Regisseure

Wir wollen Fragen und Denkanstöße liefern

Seit 2012 bilden Robert Schmetz (64) und Alfons Velz (67) ein harmonisches Regie-Duo. Beide sind zum vierten Mal dabei. 2003 und 2007 war Alfons Velz Regisseur und Robert Schmetz ein äußerst engagierter Spieler, seit 2012 bilden sie ein eingespieltes Gespann.  Mit den beiden Regisseuren führten wir folgendes Interview.

Zum wiederholten Mal in Folge engagieren Sie sich als Regisseure bei den Passionsspielen. Was bewegt Sie, diese große Herausforderung anzunehmen?

Ja, es ist wieder eine Herausforderung, denn die Begegnung mit der Passion Christi ist eine Begegnung mit allen möglichen Facetten menschlichen Hoffens und Leidens, Versagens und Bestehens. Sehr viele existenzielle Fragen werden dort angesprochen, die auch heute die Menschen begeistern, sie im Kern ihrer Existenz treffen oder bei ihnen Veränderungen bewirken können. Hinzu kommt noch die spirituelle Ebene. Alles in allem also eine Stoffsammlung, eine Themenmischung, die für Hobby-Regisseure einen besonderen Reiz darstellen.

Sind Passionsspiele in einer materiell ausgerichteten Welt noch zeitgemäß?

Wenn wir davon nicht überzeugt wären, würden wir die Mühen dieses Projektes nicht auf uns nehmen. Wir meinen, dass das Phänomen Jesus in Interaktion mit seinem damaligen Umfeld auch heute noch von großer Aktualität und Durchschlagskraft ist und für jeden Suchenden eine Quelle der Erfahrung und Inspiration sein kann. Unser Spiel versteht sich als Angebot, die Botschaft Jesu im heutigen Kontext auf den Prüfstein zu stellen. Das kann streckenweise sogar durchaus unterhaltsam sein. Wir wollen Fragen und Denkanstöße liefern, immer wieder neue Ansätze suchen. Unser Bestreben ist es nicht,  eine fertige Botschaft zu verbreiten oder eine seit Jahrtausenden bekannte Geschichte zum x-ten Male zu wiederholen.

Social Media ist das Schlagwort der Stunde. Auf Facebook, Instagram und Twitter wird die Frohe Botschaft verstärkt verbreitet. Sind Passionsspiele ein Auslaufmodell?


Fakt ist, dass der Trend uns medialen Menschen nicht gerade viel Muße lässt, uns über Monate hinweg einem einzigen Themenkreis zu widmen, Texte zu schreiben, Szenen zu improvisieren, zu proben ...Die Schönberger Spiele werden bekanntlich jedes Mal völlig neu konzipiert und größtenteils neu geschrieben, die Gegenwarts-Ebene sogar vollständig. Einen solchen Kraftakt im Rhythmus von wenigen Jahren immer wieder neu zu stemmen, ist keinesfalls selbstverständlich. Es bleibt dennoch die Hoffnung, dass sich auch in Zukunft Menschen bewusst für einige Zeit aus diesem Trubel herauslösen und das Abenteuer Passion wagen.

Wie sehen Sie die Zukunft der Schönberger Passionsspiele?

Von der Fülle der Handlungsmotive und den Möglichkeiten, schwerpunktmäßig neue Akzente menschlichen Miteinanders aktuell und ansprechend in Szene zu setzen und auf die Bühne zu bringen, bleiben Passionsspiele wie die von Schönberg immer eine interessante und reizvolle Herausforderung. Ob es eine Zukunft für die Spiele gibt, hängt also nicht von inhaltlichen Fragen ab. Sie wird hingegen in großem Maße dadurch bestimmt, ob sich auch in Zukunft noch junge Menschen und Männer von der öffentlichen Beschäftigung mit Fragen des Lebenssinns anziehen lassen. Wenn es nicht gelingt, immer wieder junge Leute und Männer mit auf den Weg zu bringen, fehlt dem Passionsspiel eine lebenswichtige Säule.


Passionsspiele: Die Überzeugung und innere Bereitschaft der anderen ist eine Bereicherung

"Phantastisch, ein Projekt gemeinsam auf die Beine zu stellen."

St.Vith

Die Parallelität, ja besser noch das ständige Ineinandergreifen der klassischen Passion Christi und der modernen Gegenwarts-Ebene gibt den Schönberger Passionsspielen, die  für jede neue Auflage ein neues Konzept und einen neuen Text erfordert,  ihre besondere Würze, da der Zuschauer herausgefordert ist, das Leben Jesu durch die eigene Brille zu betrachten.

von Lothar Klinges

Szenen aus dem Leben Jesu in biblischen Kostümen gehen nahtlos in Bilder aus dem aktuellen Leben über, die Empfindungen verschmelzen miteinander. Diesmal wird noch einen Schritt weiter gegangen. Figuren beider Zeitebenen befinden sich zeitgleich auf der Bühne, so dass Spieler wie Zuschauer Schritt für Schritt spüren, wie nah die Passion Christi ihrem eigenen Leben ist, wo ein jeder auch loslassen muss.

Trotz der beiden Ebenen handelt es sich bei der Aufführung der 27 Szenen um ein „einziges“ Passionsspiel, da das Zusammenspiel der Ebenen gleitend ineinander übergeht. Beim Passionsspiel sind zwar Laien am Werk, aber ihre Darstellung rund um das Thema "Loslassen" ist alles andere als laienhaft. Wir unterhielten uns mit einigen Spielern der Schönberger Passionsspiele.

Ulrike Ramakers aus Eynatten, die auf beiden Ebenen mitspielt, konnte mit dem Leben Jesu und der hl. Schrift wenig anfangen. Die Passionsspiele, an denen die 62-jährige pensionierte Mutter und fünffache Großmutter zum zweiten Mal teilnimmt, habe sie den Glauben neu entdecken und gerade durch die beiden Ebenen erkennen lassen, dass Gott ihr im täglichen Leben nahe ist.

Die 22-jährige Teresa Krämer aus Wallerode, die auf der modernen Ebene als "Karoline" eher lustlos den Jakobsweg der Oma zuliebe geht und erst allmählich den tieferen Sinn des "Camino" erkennt, fordern nicht wenige Szenen zum Nachdenken über ihr Leben heraus. Die Zusammenarbeit zwischen den jüngeren und älteren Mitspielern gestalte sich problemlos und sie fühle sich trotz Altersunterschied in der Gruppe sehr wohl. Leider tun sich junge Menschen schwer mit dem Glauben. Insbesondere die moderne Ebene zeichnet eine Verbindung zwischen der damaligen Leidensgeschichte und dem heutigen Leben. Gerade hier finde sich ein junger Mensch, ob gläubig oder nicht, zurück.

Die Rolle der "Kontrafrau 1" ist laut Ingrid Roth erst während den Proben entstanden, als festgestellt wurde, dass es früher auch Frauen gegeben haben muss, die Position gegen Jesus genommen haben. "In dieser Rolle konnte ich gut nachvollziehen, dass manche Frau Angst vor den revolutionären Ideen Jesu, der Gleichheit für alle predigte, gehabt hat, war doch die Frau dem Mann untertänig." In dieser Rolle der "Kontrafrau" findet sich die 60-jährige Büllingerin wieder, da auch sie so manche Zweifel hegt, Neues zunächst hinterfragt und Unterstützung braucht, um sich dem Neuen nicht abzuwenden.  Das Mitwirken in der Passio-Gemeinschaft trägt sie und stärkt ihren Glauben. Die Überzeugung und innere Bereitschaft der anderen zu spüren, erlebt sie als Bereicherung, an der sie im Leben wachsen kann.

Die aus Indien stammende Augustiner-Ordensfrau Sr. Sheela im Kloster St.Vith erlebt ihre Rolle als "Samariterin" als eine spannende Auseinandersetzung mit dem Wort Gottes. Das Ineinandergreifen der beiden Ebenen begeisterte sie besonders, da es eine stete Herausforderung sei, das Leben Jesu in das Heute zu übersetzen. Als Inderin und Ordensfrau fühle sie sich in der Gemeinschaft sehr gut aufgenommen und sammle hier viele Erfahrungen.

Arthur Jocody wollte die Freiräume, die ihm der Ruhestand seit 2011 ermöglicht, sinnvoll ausfüllen. Daher nahm er bereits an den Passionsspielen 2012 teil, was bei ihm eine frohe Erfahrung von Gemeinschaft hinterlassen hat, so dass er auch in diesem Jahr wieder dabei ist. Der 68-jährige St.Vither spielt die Rolle des Hohenpriesters Hannas, der davon überzeugt ist, Jesus zum Kreuzestod verurteilen zu müssen, da er sich nicht an die  jüdischen Gesetze hielt. Leider würden auch heute noch sogenannte "Querulanten" von den Machthabern mundtot gemacht. Arthur Jodocy erwähnt hier die katalanische Autonomiebewegung wie auch Oppositionelle in der Türkei, in Russland, usw. Von Probe zu Probe gelinge es ihm besser, seine "nicht persönlich bejahte" Rolle authentisch zu spielen. Während für den Zuschauer die Aufführung eher ein "Eintagserlebnis" bleibe, sei sie für die Schauspieler ein echtes Stück Glaubenserfahrung, das sie die Botschaft Jesu neu entdecken lässt.

Die Familie von Irene Willems aus Heppenbach, welche die Rolle der Blinden spielt, spürt deutlich ihre Begeisterung und freut sich mit ihr. Das Zwiegespräch von Vater und Sohn und auch die Szene der Kreuzigung ergreifen sie jedes Mal aufs Neue.  Die Szene der Blinde, die sie spielen darf, berührt sie sehr stark, hat sie sich doch im Vorfeld intensiv mit dieser Rolle auseinandergesetzt. Diese Ebene mit dem Thema des Loslassens dürfte besonders junge Menschen direkt ansprechen, denn es begleite sie ein Leben lang.  Auch die 51-jährige Kindergärtnerin betont die "wunderschöne Gemeinschaft", die die Schauspieler zurzeit erleben.  "Es ist phantastisch, ein Projekt, begleitet von tollen Regisseuren, gemeinsam auf die Beine zu stellen, wobei sich jeder persönlich entfalten kann." 


Einblicke hinter die Kulissen der Passionsspiele

Die Schauspieler schenken uns so viel an Zeit und Energie

Im Triangel sind neben den siebzig Akteuren auf der Bühne nochmals so viele unentbehrliche Helfer(innen) anzutreffen – von Maskenbildnerinnen über Näherinnen, von der Ton- und Lichttechnik, der Kasse, den Platzanweisern und dem Ausschank im Foyer, dem Bühnen- und Requisitenbau bis hin zur Verpflegungsstation.

Bei Ingrid Krämer-Born aus Schönberg laufen seit vielen Wochen die Telefondrähte für die Kartenvorbestellungen heiß. Für die 56-jährige Mutter und Großmutter von vier Enkelkindern ist es „schon stressig, aber wenn man es gerne macht und voll dahinter steht, schafft man es, und das setzt immer neue Energien frei“. „Die Anrufer sind sehr nett, und manchmal vertieft man sich in ganz interessante Gespräche“, sagt sie, die vielen als die freundliche Stimme am Telefon bekannt sein dürfte und sich zudem darüber freut, dass sich auch so viele Gäste aus Rheinland-Pfalz, Nordrhein-Westfalen und Luxemburg angemeldet haben. "Ich freue mich, wenn ich die vielen Menschen sehe, die sich mit Begeisterung für dieses große Projekt einsetzen."

 

Hier geht mal eine Naht auf, dort fehlt eine Sicherheitsnadel oder reißt ein Band. Dann muss man schnell mit helfender Hand zur Stelle sein. Das weiß am besten Melanie Reinartz-Scheuren aus Amelscheid, die mit zwölf weiteren Personen dafür sorgt, dass die Akteure „ordentlich“ auf die Bühne gehen. An dem farbenprächtigen Bild trägt die Gruppe der Näherinnen einen großen Anteil, denn mit viel Phantasie und Kreativität wurden die Kostüme von ihnen gefertigt. Und noch bis kurz vor den Proben ist die Lehrerin an der Maria-Goretti-Schule im Umkleideraum beim Anpassen, Abstecken und Zurechtrücken dabei, denn alle Kostüme sollen richtig sitzen, und die Schauspieler sollen sich darin wohlfühlen. Die 44-jährige gebürtige Maldingerin hatte bei der Aufführung 2007 der damaligen Leiterin Rosa Held ihre Hilfe bei der Herstellung der Kostüme angeboten. Dieses  erste Reinschnuppern bei den Passionsspielen hatte ihr damals so gut gefallen, dass sie auch in diesem Jahr mit Rose-Marie Servais aus Amel in der Verantwortung steht. „Wir sind eine Gruppe von zwölf Näherinnen, die  Hand in Hand zusammenarbeitet und bereit ist, den Spielern beim An- und Ausziehen und beim schnellen Wechsel der Kostüme von der einen zur anderen Szene oder Ebene behilflich zu sein“, freut sich Melanie Reinartz.

Vor den Schminkstühlen von Denise Hoffmann-Gallo (58) aus Atzerath und Marcella Keller-Schröderaus Schönberg und ihren vierzehn Mitarbeiterinnen, darunter vier Neulinge, stehen Männer, Frauen und Kinder Schlange, um den perfekten (Gesichts)Schliff zu bekommen. Denise Hoffmann hält sich am liebsten im Hintergrund auf und hat allmählich immer mehr Verantwortung übernommen "Die Passionsspiele geben ein besonderes Gefühl des Zusammenhalts, das macht Freude."

Das große Projekt, das gemeinsame Ziel und der Geist der Passionsspiele schweißen die Gruppe zusammen. „Die Gruppe, auf, vor und hinter der Bühne ist zu einer großen Familie zusammengewachsen und zieht in Ostbelgien immer größere Kreise“, sagt Rudi Kohnen vom Passio-Team. Der 60-jährige selbständige Polsterer ist ein Mann der erster Stunde, der beim ersten Passionsspiel als "Nikodemus" auf der Bühne stand und seitdem im Passio-Team als "Mann für Alles" die Übersicht bewahrt. Jeder bringt das ein, was er kann: Ideen, handwerkliches Können, Kochkünste für die Verpflegung der Schauspieler und Helfer(innen). "Es ist jedes Mal eine große Herausforderung Texte zu schreiben, welche die Zuschauer bewegen. Jesus-Darsteller Lothar Krämer hatte den Film "Dein Weg" gesehen, der sich hervorragend für die aktuelle Ebene eignete. "Auf diesen Film konnten wir aufbauen und die Texte und Szenen schreiben."

Hubert Gallo aus Rödgen, mitverantwortlich für die Werbung und mit 80 Jahren der Senior im Passio-Team,  freut sich, dass es „eine schöne Freundschaft und einen guten Zusammenhalt“ unter den Darstellern gibt. Das „Mädchen für alles“, wie er gerne genannt wird, ist dankbar für die große Hilfsbereitschaft die allerorts herrscht, um ein solches Projekt zu stemmen. „Ich freue mich über den Zuspruch aus Luxemburg, wie auch über die Resonanz bei den vielen deutschen Gästen, die kommen werden.  "Ich bin begeistert, wenn ich sehe, mit welcher Leidenschaft die Schauspieler/innen bei der Sache sind."

Und dann ist da noch das 60-jährige "Hausmütterchen", Rose-Marie Theodor, die für die Verpflegung der großen Schauspielergruppe und der Personen hinter den Kulissen zuständig ist. "Beim gemeinsamen Essen wächst die Gemeinschaft unter uns." Manche der Spieler schenken ihr viel Vertrauen und erzählen ihr auch von Sorgen oder teilen mit ihr Freud und Leid. "Die Schauspieler schenken uns so viel an Zeit und Energie, dass wir ihnen mit einer guten Verpflegung etwas zurückgeben möchten, weil wir sie sehr schätzen." (kli)

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