Predigten aus dem Leben gehalten von :Pfarrer Lothar Klinges,Lindenstraße 25, B - 4750 Weywertz Tel. 003280446069; Telefax: 003280447769 Zurück zur Predigtauswahl |
Predigten im Jahreskreis - Lesejahr A
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Du aber, Menschensohn, ich gebe dich dem Haus Israel als Wächter; wenn du ein Wort aus meinem Mund hörst, musst du sie vor mir warnen. Wenn ich zu einem, der sich schuldig gemacht hat, sage: Du musst sterben!, und wenn du nicht redest und den Schuldigen nicht warnst, um ihn von seinem Weg abzubringen, dann wird der Schuldige seiner Sünde wegen sterben. Von dir aber fordere ich Rechenschaft für sein Blut. Wenn du aber den Schuldigen vor seinem Weg gewarnt hast, damit er umkehrt, und wenn er dennoch auf seinem Weg nicht umkehrt, dann wird er seiner Sünde wegen sterben; du aber hast dein Leben gerettet. (Ez 33,7-9 )Wenn dein Bruder sündigt, dann geh zu ihm und weise ihn unter vier Augen zurecht. Hört er auf dich, so hast du deinen Bruder zurückgewonnen. Hört er aber nicht auf dich, dann nimm einen oder zwei Männer mit, denn jede Sache muss durch die Aussage von zwei oder drei Zeugen entschieden werden. Hört er auch auf sie nicht, dann sag es der Gemeinde. Hört er aber auch auf die Gemeinde nicht, dann sei er für dich wie ein Heide oder ein Zöllner. Amen, ich sage euch: Alles, was ihr auf Erden binden werdet, das wird auch im Himmel gebunden sein, und alles, was ihr auf Erden lösen werdet, das wird auch im Himmel gelöst sein. Weiter sage ich euch: Alles, was zwei von euch auf Erden gemeinsam erbitten, werden sie von meinem himmlischen Vater erhalten. Denn wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen (Mt 18,15-20 )Liebe Mitchristen, Der letzte Satz des heutigen Evangeliums spricht mich immer wieder besonders an. "Denn wo zwei oder drei"... Jesus sagt nicht: Denn wo 200 oder 300 in meinem Namen versammelt sind." Als ich hier vor 10 Jahren mit Familiengottesdiensten begann, waren wir, d.h. der Familienmesskreis sehr traurig enttäuscht, weil nur ganz wenige Kinder und Familien zu diesen Familiengottesdiensten kamen. Am liebsten hätte man gleich sofort alles hingeworfen, weil nur zwei oder drei Kinder da waren. Ich glücklicher weise haben wir schon damals gespürt, dass wir genauso mit den zwei oder drei Kindern beten und singen können. Ja, das Schielen nach Zahlen ist gefährlich. Unsere Sprache verrät uns, dass wir das viel zu oft tun. Wenn ein Konzert in der Kirche oder im Saal stattgefunden hat, sagen die Verantwortlichen am Ende immer wieder: Es waren viele Leute im Konzert, oder es waren 50 weniger als letztes Jahr, oder es waren 30 mehr als voriges Jahr. Ob bei einem Konzert, beim Turnverein oder beim Fußballspiel oder bei einer Hochzeits- oder Beerdigungsfeier immer wieder wird fleißig gezählt, wie viel Leute denn nur da waren. Davon macht man dann meist abhängig, ob es gut oder schlecht war. Dass, was im Vereinsleben oder im dörflichen Leben geschieht, findet sich auch im kirchlichen Bereich. Auch da haben wir uns häufig eine Sprache angewöhnt, die mich an die Werbung erinnert: Waren viele Menschen im Gottesdienst... immer wieder höre ich das von Mitmenschen. "Toll, dass so viele Menschen am Gottesdienst teilnahmen". Immer wieder heißt die erste Frage: "Wie viele waren denn da?" .. z.B. beim Wochengottesdienst: "Ach, nur ein paar Leute", lautet dann enttäuscht die Antwort, "nur die paar üblichen, die immer kommen.", heißt es dann. Als ob vor Gott die Masse zählt. Ich glaube, dass für Gott der und die einzelne wichtig sind. Jesus fängt mit einer Handvoll Leute an, mit zwölf Männern, die er zu Aposteln auswählt, mit ein paar Frauen und Sympathisanten. Jesus schaut nicht auf die Anzahl, auf die Masse: So spricht er auch vom Salz der Erde und vom Licht der Welt, vom Senfkorn und vom Sauerteig ... Jesus ist überzeugt davon, dass ein kleiner Anfang einmal eine große Wirkung haben wird. Er ist überzeugt davon, dass aus wenig einmal viel werden wird. Auch ich muss mich immer wieder zu diesem Glauben durchringen, dass es nicht auf die Anzahl, auf die Masse, ankommt, auch wenn viele Menschen die Qualitäten eines Priesters davon abhängig machen, ob seine Gottesdienste voll sind oder schlecht besucht werden. Als ich anfangs (vor 10 Jahren) hier mit den Familiengottesdiensten begann, haben wir - auch wenn sie schwach besucht waren, ja, z.T. sogar boykotiert wurden, weiter gemacht. Und mit der Zeit kamen immer mehr Kinder. Und heute 10 Jahren später, können wir mit Dank darauf zurückschauen: Jeden Monat mindestens einen Familiengottesdienst und das seit 10 Jahren. Auch die Kinderkirche, die Wortgottesdienste für Kinder jeden Sonntag zeigen uns, dass wir auf den guten Weg sind. Wegen dieser Erfahrung glaube ich, dass wir keine Angst zu haben brauchen, wenn die Zahl klein erscheint. Gott kommt es auf den einzelnen an. Und wenn Jesus sagt: "Wo zwei oder drei in meinein Namen versammelt sind...", dann kommt es ihm auf die Qualität der Begegnung an, nicht auf die Quantität. Da stellt sich uns die Frage, worauf wir denn schauen? Wenn wir uns begegnen oder Aktivitäten, Veranstaltungen durchführen: Ist es die Zahl die wichtig ist und warten wir auf die große Masse? Oder geht es uns um das wie? Wie begegnen wir einander? Wird bei dieser Begegnung, bei diesem Gottesdienst etwas von Christenfamilie und von Verbundenheit mit Jesus Christus spürbar und sichtbar? Oder zählt nur die Masse? Ist uns bei einer Veranstaltung die Masse wichtig? "Wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen." Dieser Satz ist mir sehr wichtig geworden. Und dazu ein anderer Satz, den Meister Eckhart, ein Theologe des Mittelalters, geprägt hat: "Immer ist die wichtigste Stunde die gegenwärtige. Immer ist der wichtigste Mensch der, der dir gerade gegenübersteht. Und immer ist die wichtigste Tat die Liebe." |



