Predigten aus dem Leben gehalten von :Pfarrer Lothar Klinges,Lindenstraße 25, B - 4750 Bütgenbach-Weywertz Tel. 003280446069; Telefax: 003280447769 Zurück zur Predigtauswahl |
Predigten im Jahreskreis - Lesejahr A
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Der Herr der Heere wird auf diesem Berg für alle Völker ein Festmahl geben mit den feinsten Speisen, ein Gelage mit erlesenen Weinen, mit den besten und feinsten Speisen, mit besten, erlesenen Weinen. Er zerreißt auf diesem Berg die Hülle, die alle Nationen verhüllt, und die Decke, die alle Völker bedeckt. Er beseitigt den Tod für immer. Gott, der Herr, wischt die Tränen ab von jedem Gesicht. Auf der ganzen Erde nimmt er von seinem Volk die Schande hinweg. Ja, der Herr hat gesprochen. An jenem Tag wird man sagen: Seht, das ist unser Gott, auf ihn haben wir unsere Hoffnung gesetzt, er wird uns retten. Das ist der Herr, auf ihn setzen wir unsere Hoffnung. Wir wollen jubeln und uns freuen über seine rettende Tat. Ja, die Hand des Herrn ruht auf diesem Berg. (Jes 25:6-10a)Ich weiß Entbehrungen zu ertragen, ich kann im Überfluss leben. In jedes und alles bin ich eingeweiht: in Sattsein und Hungern, Überfluss und Entbehrung. Alles vermag ich durch ihn, der mir Kraft gibt. Trotzdem habt ihr recht daran getan, an meiner Bedrängnis teilzunehmen. Ihr wißt selbst, ihr Philipper, daß ich beim Beginn der Verkündigung des Evangeliums, als ich aus Mazedonien aufbrach, mit keiner Gemeinde durch Geben und Nehmen verbunden war außer mit euch und daß ihr mir in Thessalonich und auch sonst das eine und andere Mal etwas geschickt habt, um mir zu helfen. Es geht mir nicht um die Gabe, es geht mir um den Gewinn, der euch mit Zinsen gutgeschrieben wird. Ich habe alles empfangen und habe jetzt mehr als genug. Mir fehlt nichts mehr, seit ich von Epaphroditus eure Gaben erhielt, ein schönes Opfer, eine angenehme Opfergabe, die Gott gefällt. Mein Gott aber wird euch durch Christus Jesus alles, was ihr nötig habt, aus dem Reichtum seiner Herrlichkeit schenken. Unserem Gott und Vater sei die Ehre in alle Ewigkeit! Amen. (Phil 4,12-20)Jesus erzählte ihnen noch ein anderes Gleichnis: Mit dem Himmelreich ist es wie mit einem König, der die Hochzeit seines Sohnes vorbereitete. Er schickte seine Diener, um die eingeladenen Gäste zur Hochzeit rufen zu lassen. Sie aber wollten nicht kommen. Da schickte er noch einmal Diener und trug ihnen auf: Sagt den Eingeladenen: Mein Mahl ist fertig, die Ochsen und das Mastvieh sind geschlachtet, alles ist bereit. Kommt zur Hochzeit! Sie aber kümmerten sich nicht darum, sondern der eine ging auf seinen Acker, der andere in seinen Laden, wieder andere fielen über seine Diener her, misshandelten sie und brachten sie um. Da wurde der König zornig; er schickte sein Heer, ließ die Mörder töten und ihre Stadt in Schutt und Asche legen. Dann sagte er zu seinen Dienern: Das Hochzeitsmahl ist vorbereitet, aber die Gäste waren es nicht wert (eingeladen zu werden). Geht also hinaus auf die Straßen und ladet alle, die ihr trefft, zur Hochzeit ein. Die Diener gingen auf die Straßen hinaus und holten alle zusammen, die sie trafen, Böse und Gute, und der Festsaal füllte sich mit Gästen. Als sie sich gesetzt hatten und der König eintrat, um sich die Gäste anzusehen, bemerkte er unter ihnen einen Mann, der kein Hochzeitsgewand anhatte. Er sagte zu ihm: Mein Freund, wie konntest du hier ohne Hochzeitsgewand erscheinen? Darauf wusste der Mann nichts zu sagen. Da befahl der König seinen Dienern: Bindet ihm Hände und Füße, und werft ihn hinaus in die äußerste Finsternis! Dort wird er heulen und mit den Zähnen knirschen. Denn viele sind gerufen, aber nur wenige auserwählt. (Mt 22:1-14)Liebe Mitchristen, Martin Luther hat über das Gleichnis vom königlichen Hochzeitsmahl nicht gerne gepredigt. Er nennt es ein "schrecklich Evangelium". Er meint, der zürnende Gott, der den Eingeladenen in die äußerste Finsternis wirft, kann doch nicht der gute Vater Jesu Christi sein. Dieses Gleichnis lässt uns nicht in Ruhe. Es setzt einen Überlegungsprozess, einen Umdenkungsprozess, eine innere Verwandlung in uns in Gang. Indem wir uns auf ein Gleichnis einlassen, geschieht etwas mit uns, da ändert sich unsere Sichtweise vom Leben, da wandelt sich unser Gottesbild und unser Menschenbild. Dieses Gleichnis könnte den inneren Weg der Selbstwerdung und der Einswerdung mit Gott beschreiben. Jeder von uns ist zum Hochzeitsmahl geladen. Unsere Berufung als Christ heißt nicht nur, dass wir Gottes Gebote erfüllen, sondern dass wir eingeladen sind, mit Gott in Jesus Christus eins zu werden. Das Ziel unseres Lebens ist die Selbstwerdung, in der wir eins werden mit unserem göttlichen Kern. Doch oft genug gehen wir achtlos mit dieser Einladung um, wir kümmern uns nicht darum. Das erste Mal überhören wir die Einladung, die in den leisen Impulsen unseres Herzens ergeht. Wir ahnen, dass unsere eigentliche Berufung darin besteht, uns in Gott hinein fallen zu lassen, mit Gott eins zu werden. Aber Gottes einladende Stimme ist so leise, dass sie nicht eindringt in unser Bewusstsein. Oder aber - so beschreibt es die zweite Einladung - wir haben wichtigere Dinge im Sinn: die Mehrung des Besitzes und das Streben nach Erfolg, die Geschäfte des Alltags. Ja, manchmal töten wir die inneren Impulse einfach ab. Sie sind uns unangenehm. Sie lassen uns keine Ruhe. Also betäuben wir sie mit Aktivitäten oder töten sie, indem wir sie mundtot machen. Es ist das Ego, das die Diener des Königs tötet. Das Ego will sich nicht stören lassen in seinem egozentrischen Streben. Doch der König sendet seine Diener nochmals aus. Alles in uns wird eingeladen. Die, die an den Straßen herumstehen, das sind die Armen. Das Arme in uns ist offener für Gott als das Erfolgreiche. Die Diener sollen das ganze Reich durchstreifen und dorthin gehen, wo die Straßen enden. Alle Bereiche unserer Seele, unsere gesamte Lebensgeschichte, auch die Randzonen unseres Unbewussten; alles in uns ist eingeladen, mit Gott eins zu werden. Nichts wird ausgeschlossen, auch das Böse nicht. Das ist eine tröstliche Botschaft. Die einzige Bedingung, die Gott uns stellt, besteht darin, dass wir achtsam mit seiner Einladung umgehen. Das Hochzeitsgewand bedeutet für mich, dass ich den einladenden König achte, dass ich das, was ich habe, auch wenn es noch so arm und zerrissen ist, sorgfältig behandle und es in Beziehung bringe zur Hochzeit. Es geht um Achtsamkeit und Behutsamkeit. Ich muss das Böse nicht aus mir tilgen, aber ich muss es wahrnehmen und es umkleiden mit dem Gewand der Liebe. Ich muss auf alles, was in mir ist, mit einem liebevollen Blick schauen, es Gott hinhalten. Dann darf ich teilnehmen am Hochzeitsmahl. Dann kann alles in mir eins werden mit Gort. Wenn ich jedoch achtlos umgehe mit dem, was ich habe und bin, dann werde ich heraus geworfen aus dem Mahl, dann falle ich aus meiner Mitte und gerate innerlich in Finsternis. Das Übersehene wird zu einer Dunkelheit, die mich verschlingt. Es wird mich innerlich zerreißen. Das Ist mit Heulen und Zähneknirschen gemeint. Wenn ich nicht bereit bin, meine Wahrheit anzuschauen und Gott hinzuhalten, wird sie mich zermahlen, zerknirschen. Dann wird mein Leben zu einem Heulen und Klagen. Das Böse wird in mir zu einer Quelle der Traurigkeit und des Weinens, der Verzweiflung und Sinnlosigkeit. Matthäus betont in seiner Deutung des Gleichnisses, das Jesus erzählt hat, den Vorrang der Gnade vor allem menschlichen Streben. Aber zugleich fordert er den Menschen auch heraus, auf die Gnade zu antworten, durch sein Handeln, durch die Verwandlung seiner Gesinnung und durch die Bereitschaft, das Geheimnis der Gnade ernst zu nehmen. Darin wird wieder sein Bild von der Kirche und vom Menschen sichtbar: Die Kirche ist keine Gemeinschaft der Vollkommenen, sondern der Guten und Bösen, der Starken und Schwachen, der Bewussten und Unbewussten. Der Kirche und den kirchlichen Leitern steht es nicht zu, Menschen aus dem gemeinsamen Gastmahl auszuschließen. Das wird der König, das wird Gott selber tun am Ende der Zeiten. Wie die Kirche ist auch der Mensch nicht eindeutig, sondern voller Gegensätze. Im Menschen gibt es Gutes und Böses, Licht und Dunkel, Bereitschaft und Verweigerung. Matthäus mahnt uns bewusst wahrzunehmen, was in uns ist, und darüber das Kleid zu ziehen, das Gott uns anbietet, das Kleid bedingungsloser Liebe, die uns annimmt, wie wir sind. Wenn wir unbewusst so weiter leben, ohne das beste Kleid anzuziehen, das uns zur Verfügung steht, dann wird unsere Lebensverweigerung zur Selbstzerstörung, zum Heulen und Zähneknirschen. |



