Predigten aus dem Leben gehalten von :

Pfarrer Lothar Klinges,
Lindenstraße 25, B - 4750 Bütgenbach-Weywertz
Tel. 003280446069; Telefax: 003280447769

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Predigten im Jahreskreis - Lesejahr A
3. Sonntag

Mt 4,12-23
23. Januar 2005

Als Jesus hörte, dass man Johannes ins Gefängnis geworfen hatte, zog er sich nach Galiläa zurück. Er verließ Nazaret, um in Kafarnaum zu wohnen, das am See liegt, im Gebiet von Sebulon und Naftali. Denn es sollte sich erfüllen, was durch den Propheten Jesäja gesagt worden ist: Das Land Sebulon und das Land Näftali, die Straße am Meer, das Gebiet jenseits des Jordans, das heidnische Galiläa: das Volk, das im Dunkel lebte, hat ein helles Licht gesehen; denen, die im Schattenreich des Todes wohnten, ist ein Licht erschienen. Von da an begann Jesus zu verkünden: Kehrt um! Denn das Himmelreich ist nahe. Als Jesus am See von Galiläa entlangging, sah er zwei Brüder, Simon, genannt Petrus, und seinen Bruder Andreas; sie warfen gerade ihr Netz in den See, denn sie waren Fischer. Da sagte er zu ihnen: Kommt her, folgt mir nach! Ich werde euch zu Menschenfischern machen. Sofort ließen sie ihre Netze liegen und folgten ihm. Als er weiterging, sah er zwei andere Brüder, Jakobus, den Sohn des Zebedäus, und seinen Bruder Johannes; sie waren mit ihrem Vater Zebedäus im Boot und richteten ihre Netze her. Er rief sie, und sogleich verließen sie das Boot und ihren Vater und folgten Jesus. Er zog in ganz Galiläa umher, lehrte in den Synagogen, verkündete das Evangelium vom Reich und heilte im Volk alle Krankheiten und Leiden. (Mt 4,12-23 )

Liebe Mitchristen,

Ihr habt vielleicht auch schon folgende Geschichte gehört... schon oft habe ich sie erzählt, weil sie sehr treffend und einsichtig ist. Die Geschichte von einem Indianer, der mit einem Freund in einer amerikanischen Großstadt spazieren ging. Mitten im Lärm der Stadt fragte er: "Hörst du die Grille zirpen?" Sein Freund bemühte sich sehr, hinzuhören, und stellte dann fest: "Ich kann sie nicht hören." Einige Zeit später ließ der Indianer eine Münze fallen, der Amerikaner reagierte sofort: "Du hast ein Geldstück verloren." Der Indianer antwortet darauf amüsiert: "Eine Geldmünze hörst du fallen, aber das Zirpen der Grille hörst du nicht."

Wir sagen es schon mal scherzend zu jemanden, der etwas schwerhörig ist: "Was Du nicht hören sollst, das hörst du... und das andere hörst du nicht!"

Der moderne Mensch von heute ist darauf trainiert, ganz bestimmte Anfragen zu hören: was wir im Augenblick brauchen, was uns gut tut, was wir suchen, was wir hören möchten.... andere Aufrufe und Appelle überhören wir... gerne, stillschweigend.

Gott sei dank ist das Hör-Organ für die Botschaft des Evangeliums, für den Aufruf Jesu auch heutzutage bei so vielen Menschen mehr denn je vorhanden...

- Da sind Hundert Tausende, die dem Aufruf nachkommen und für die Tsunami-Opfer (Opfer der Flutkatastrophe) spenden.
- Da ist jemand, der sich Zeit für ein Gespräch nimmt...
- Da ist jemand, der sich für einen ehrenamtlichen Dienst ansprechen lässt
- Da ist ein junger Mensch, der sich auf meine Anfrage hin, bereit findet als Firmbegleiter mitzumachen
- Da ist ein Mensch, der einen Kranken besucht und mit ihm ein Vater unser am Krankenbett betet
- Da ist ein Mensch, der mir in der Pfarre zur Hand geht und nicht fragt, was kriege ich dafür.
- Da sind viele, die die Glocken am Sonntag hören und sich aufmachen zur Sonntagsmesse, weil ihnen die Gemeinschaft mit den anderen Christen wichtig ist.
- Da ist eine Frau, die gehört hat, dass die Nachbarin ziemlich allein da steht und ihr regelmäßig ein Kesselchen Suppe vorbeibringt.

Ach wisst ihr... da sind so viele.... ich könnte diese Liste von Menschen, die ein gutes Hör-Organ haben fortführen und noch lange gute und viele Beispiele aus Bütgenbach, Berg und Weywertz aufführen.

Ja, viele Mitmenschen aus unserem Pfarrverband hören den Anruf Jesu, trotz vieler "Nebengeräusche", trotz Fernsehen und lauter Werbung. Die Fähigkeit, die Jesu Stimme zu hören, findet bei vielen Menschen auch heutzutage ein weites und offenes Ohr, weil sie sich dafür öffnen wollen, es entdecken wollen und ihnen Jesu Auftrag wichtig ist.

Es ist sagenhaft, wie viele Menschen ihr Ohr und Herz in den letzten Wochen geöffnet haben... so was hat es noch nicht gegeben.

Auch gibt es sie noch, jene Menschen, die ihr Leben verändern, weil der Ruf Jesu zu einem anderen Lebensstil für sie tief genug ist. Sie können dann so handeln, wie es die Jünger Jesu getan haben: alles hinter sich zu lassen und dem Anspruch Jesu nachzugehen.

Ich denke an Karl-Heinz Böhm, der seinen Beruf als erfolgreicher Schauspieler an den Nagel hängte, um in Äthiopien das Projekt "Menschen für Menschen" aufzubauen. Ich denke an Lea Ackerman, sich erst in Afrika und jetzt auch in Europa für geschundene, missbrauchte Frauen einsetzt.

Das Aufbrechen, um Jesus nachzufolgen, ist meist verbunden mit einer radikalen Lebens-Änderung. Aber es ist kein Sprung ins Nichts. Es geschieht aus dem Vertrauen heraus, dem Leben eine neue Dimension zu geben, die wir vielleicht schon die ganze Zeit gesucht haben.

Solche Erfahrungen haben die Menschen gemacht, die Jesus, von ihren Booten und Netzen weg, in seine Nachfolge gerufen hatte. Er hat sie gerufen, so wie sie waren, mit all ihren Stärken und Schwächen, Ecken und Kanten, und sie haben seinen Ruf angenommen. Jesus hat ihnen ein Ziel gegeben, einen Grund, ihr Leben neu zu gestalten

In dem, was dort und damals geschah, liegt für uns die Antwort auf die Frage: Wie kann Nachfolge heute aussehen? Jesus ruft seine Jünger beim Fischen.... im Alltag also, da wo gearbeitet wird, der ganz normale Lebensalltag läuft.

Warten wir nicht auf das Besondere... Gerade im normalen Alltag können wir Christus nachfolgen, auf ihn hören... so wie ich das an konkreten Beispielen aus dem Lebensalltag der Bütgenbacher, Berger und Weywertzer aufgezeigt habe.

1. In der Offenheit, in der Menschen aufeinander hören, dem anderen zuhören.
2. In der Selbstlosigkeit, der Opferbereitschaft, sich anderen zuzuwenden.
3. In der Eindeutigkeit Stellung zu beziehen für mehr Gerechtigkeit und Frieden bei uns
4. In der Bereitschaft Zeit für unsere Gemeinschaft, für unsere Christengemeinde zu verschenken.

Viele kleine Schritte der Nachfolge und doch neues Leben, das anderen und uns Heilung und Zufriedenheit schenkt.

Jesus hat gerufen: Warum nicht heute und jetzt und gerade DICH?


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