Predigten aus dem Leben gehalten von :Pfarrer Lothar Klinges,Lindenstraße 25, B - 4750 Weywertz Tel. 003280446069; Telefax: 003280447769 Zurück zur Predigtauswahl |
Predigten im Jahreskreis - Lesejahr A
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Schwestern und Brüder! Wisst ihr nicht, dass ihr Gottes Tempel seid und der Geist Gottes in euch wohnt? Wer den Tempel Gottes verdirbt, den wird Gott verderben. Denn Gottes Tempel ist heilig, und der seid ihr. Keiner täusche sich selbst. Wenn einer unter euch meint, er sei weise in dieser Welt, dann werde er töricht, um weise zu werden. Denn die Weisheit dieser Welt ist Torheit vor Gott. In der Schrift steht nämlich: Er fängt die Weisen in ihrer eigenen List. Und an einer anderen Stelle: Der Herr kennt die Gedanken der Weisen; er weiß, sie sind nichtig. Daher soll sich niemand eines Menschen rühmen. Denn alles gehört euch; Paulus, Apollos, Kefas, Welt, Leben, Tod, Gegenwart und Zukunft: alles gehört euch; ihr aber gehört Christus und Christus gehört Gott. (1 Kor 3,16-23) Ihr habt gehört, dass gesagt worden ist: Auge für Auge und Zahn für Zahn. Ich aber sage euch: Leistet dem, der euch etwas Böses antut, keinen Widerstand, sondern wenn dich einer auf die rechte Wange schlägt, dann halt ihm auch die andere hin. Und wenn dich einer vor Gericht bringen will, um dir das Hemd wegzunehmen, dann lass ihm auch den Mantel. Und wenn dich einer zwingen will, eine Meile mit ihm zu gehen, dann geh zwei mit ihm. Wer dich bittet, dem gib, und wer von dir borgen will, den weise nicht ab. Ihr habt gehört, dass gesagt worden ist: Du sollst deinen Nächsten lieben und deinen Feind hassen. Ich aber sage euch: Liebt eure Feinde und betet für die, die euch verfolgen, damit ihr Söhne eures Vaters im Himmel werdet; denn er lässt seine Sonne aufgehen über Bösen und Guten, und er lässt regnen über Gerechte und Ungerechte. Wenn ihr nämlich nur die liebt, die euch lieben, welchen Lohn könnt ihr dafür erwarten? Tun das nicht auch die Zöllner? Und wenn ihr nur eure Brüder grüßt, was tut ihr damit Besonderes? Tun das nicht auch die Heiden? Ihr sollt also vollkommen sein, wie es auch euer himmlischer Vater ist. (Mt 5,38-48)
„Ein Mann will ein Bild aufhängen. Den Nagel hat er, nicht aber den Hammer. Der Nachbar hat einen. Also beschließt unser Mann, hinüberzugehen und ihn auszuborgen. Doch da kommt ihm ein Zweifel: Was, wenn der Nachbar mir den Hammer nicht leihen will? Gestern schon grüßte er mich nur so flüchtig. Vielleicht war er in Eile. Aber vielleicht war die Eile nur vorgeschützt, und er hat etwas gegen mich - und was? Ich habe ihm nichts getan; der bildet sich da etwas ein. Wenn jemand von mir ein Werkzeug borgen wollte, ich gäbe es ihm sofort. Und warum er nicht? Wie kann man einem Mitmenschen einen so einfachen Gefallen abschlagen? Leute wie dieser Kerl vergiften einem das Leben. Und dann bildet er sich noch ein, ich sei auf ihn angewiesen. Bloß weil er einen Hammer hat. Jetzt reicht's mir wirklich. - Und so stürmt er hinüber, läutet, der Nachbar öffnet, doch bevor er .Guten Tag' sagen kann, schreit ihn unser Mann an: .Behalten Sie Ihren Hammer, Sie Rüpel!'"(Paul Watzlawik) Die großen und eindringlichen Worte Jesu, die Matthäus zur Bergpredigt zusammengestellt hat - und eine kleine Alltagsgeschichte. Die ernsten und klaren Aufforderungen Jesu zu Gewaltverzicht und Feindesliebe - und eine eher zum Schmunzeln anregende Episode: Für mich gehört beides ganz eng zusammen. Man kann sicher lange darüber diskutieren, wie die Spitzenforderungen Jesu zu verstehen sind. Man kann sich auch die großen Beispiele des gewaltlosen Widerstands und der unbegrenzten Liebe vor Augen stellen — die Friedensbemühungen eines Martin Luther King; die sanften Revolutionen in osteuropäischen Ländern, in Tunesien und Ägypten. Aber die entscheidenden Fragen sind doch: Kann ich selbst den großen Schatz dieser Worte Jesu in das Kleingeld meines Alltags ummünzen? Gelingt der Gemeinschaft der Christen, die die Weisungen Jesu zu ihrem Programm gemacht hat, ein anderes, ein besseres Leben und Zusammenleben? Wenn ich mich den Herausforderungen Jesu stelle, dann gelingt es mir vielleicht doch ab und zu, den dritten Weg zwischen Resignation und Gegenschlag zu finden; den Weg des gewaltlosen Widerstandes gegen Unrecht, Beleidigung und Verletzung. Wenn ich mir die konkreten Beispiele Jesu unter die Haut gehen lasse, dann entdecke ich vielleicht auch in meinem Leben Situationen, in denen ich die Möglichkeiten meiner Liebe, meines Zugehens auf die anderen unterschätze und noch nicht genügend ausschöpfe. Ich möchte mich durch die Weisungen der Bergpredigt provozieren lassen, nach kleinen Spuren der Gewaltspirale in meinem Leben zu suchen - wo eine Unaufmerksamkeit der anderen in mir eine Kettenreaktion auslöst, Vorurteile entstehen lässt und in Aggression umschlägt; wo sich versteckte Antipathien und Aversionen hochschaukeln zu Ablehnung und offenem Streit; wo - wie in unserer Geschichte - bloße Vermutungen eskalieren zu bösen Unterstellungen. Ich möchte mich durch die Weisungen der Bergpredigt provozieren lassen, den anderen ihre Andersartigkeit zuzugestehen; ich will - anders als in unserer Geschichte - nach dem Hintergrund eines mir unverständlichen Verhaltens fragen, bevor ich mich in Spekulationen verstricke; ich will versuchen, mich in andere hineinzuversetzen, um ihre Erfahrungen, Motive und Ängste kennenzulernen und sie besser zu verstehen; ich will auch bei schwierigen und unbequemen Menschen nach wertvollen Eigenschaften und positiven Seiten suchen. Ich möchte mich durch die Weisungen der Bergpredigt provozieren lassen - zu Besinnungspausen in sich verschärfenden Konflikten; zu einem freundlichen Wort auch für den, von dem ich keines erwarte; zu einem genaueren Hinhören, damit ich aus manchen harten und feindseligen Bemerkungen noch die versteckten Hilferufe und Bitten um Zuwendung herausfiltern kann. Es wäre wirklich ein Hammer, wenn das eingefleischte Gesetz „wie du mir, so ich dir" immer öfter durchbrochen werden könnte; wenn es uns immer häufiger gelingen würde, die großzügige Liebe Gottes in unserem alltäglichen Handeln sichtbar zu machen. Es wäre wirklich ein Hammer, wenn sich auch in unserer Kirche in vielen kleinen Schritten die Grundhaltung durchsetzen könnte, die Jesus „die größere Gerechtigkeit" nennt: Verzicht auf den Gegenschlag und eine Liebe, die sich weigert, den Feind als den zu sehen, der er ist, sondern die ihn provoziert, der zu werden, der er noch nicht ist. (entnommen aus Wolfgang Raible, Predigten für die Sonn- und Feiertage im Lesejahr A, Herder, 2010)
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