Predigten aus dem Leben gehalten von :

Pfarrer Lothar Klinges,
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Predigten Österliche Bußzeit
1. Sonntag - B

Gen 9, 8-15; Mk 1, 12-15
9. März 2003

Danach trieb der Geist Jesus in die Wüste. Dort blieb Jesus vierzig Tage lang und wurde vom Satan in Versuchung geführt. Er lebte bei den wilden Tieren, und die Engel dienten ihm. Nachdem man Johannes ins Gefängnis geworfen hatte, ging Jesus wieder nach Galiläa; er verkündete das Evangelium Gottes und sprach: Die Zeit ist erfüllt, das Reich Gottes ist nahe. Kehrt um, und glaubt an das Evangelium! (Mk 1,12-15)

Liebe Mitchristen,

Wenn ich eine wichtige Aufgabe übernehmen soll, benötige ich eine angemessene Vorbereitungszeit. In alten Zeiten etwa schliefen Propheten dafür in den ihnen vertrauten Heiligtümern und Tempeln. Sie wollten sich körperlich und geistig auf ihre Aufgabe einstellen. Sie erwarteten im Traum eine Anweisung oder einen Auftrag von Gott.

Auch Jesus steht vor einer großen Aufgabe. Er soll die Frohe Botschaft verkünden. So geht er zur Vorbereitung nicht etwa in den Tempel, sondern in die WÜSTE. Auch Mose zog sich vorher zurück als er die Zehn Gebote erhielt. Er fastete vierzig Tage auf dem Berg Sinai.

Die Wüste, in die sich Jesus zurück zieht, ist zum Einen ein Ort der Gottesnähe und Gottesbegegnung. Andererseits ist sie aber auch ein Ort des Schreckens und des Todes.

Auch heute tun Menschen es Jesus gleich in dem sie sich in die Wüste zurück ziehen. So auch der Mönchsvater Antonius, der reich aufgewachsen war, dann aber alles weggeben hat und sich in die Wüste zurück gezogen hat um Gott nahe zu sein.

Auf den ersten Blick gibt die Wüste den Eindruck, nur aus heißem Sand, Geröll und Gestein zu bestehen. Doch bei genauerem Betrachten zeigt sich, dass die Wüste lebt - da gibt es Pflanzen und viele verschiedene Tierarten, die zum Teil gefährlich und furchterregend sind.

Früher dachte man, dass die Wüste ein Ort der Dämonen und wilden Tiere sei. Diese Vorstellung hat einen tieferen Sinn. Diese wilden Tiere und Dämonen sind Feinde, die in unserem Inneren lauern. In meinem Leben haben ich diese "wilden Tiere" nie so deutlich wahrgenommen und gespürt, wie in die Benediktiner-Abtei von Münsterschwarzach, wo ich im vergangenen Jahr während drei Monaten gewesen bin. In dieser "Wüste" und Stille spürte ich, wie diese inneren Tiere wach wurden und mich bedrängten. In der "Wüste", in der Ruhe, hatte ich Zeit nachzudenken, zu spüren, in mir schlummert, was meine tiefsten Wünsche, Sehnsüchte, Ängste und Abgründe sind. Die haben mich ganz schön gepeinigt und in Versuchung geführt.

Im Evangelium haben wir gerade gehört, dass Jesus vom Satan in Versuchung geführt wurde. Doch hatte Jesus die wilden Tiere im Griff, er "lebte bei den wilden Tieren" (Vers 13), heißt es dort.

Wie wenig ich meine wilden Tiere im Griff hatte, zeigte schon die Tatsache, wie sehr ich mich davor drückte, in meine "Wüste", in die Stille, zu gehen. Lieber stürze ich mich in die Seelsorgearbeit, die ich so gerne und aus ganzem Herzen (für euch) tue. Aber deshalb gibt es nur wenig Stellen im Laufe eines Tages, an denen ich einfach zur Ruhe komme. So brauche ich das Gebrüll meiner wilden Tiere nicht anzuhören. Wenn es aber doch einmal leise um mich herum wird, kommt das Gefühl hoch, innen leer zu sein. Und schnell versuche ich wieder, diese Leere auf verschiedene Weise auszufüllen.

Fastenzeit ist für mich eine Kampfansage an meine inneren wilden Tiere:

  • Über was alles wird in unseren Dörfern gelästert! Wie schlecht sind doch in unseren Reden die anderen, und wie gut erscheinen darum wir selbst! - Die Tiere der Lästerei und Eifersucht sind an die Leine zu nehmen.
  • Wie viele Ereignisse und Untaten werden so lange verdreht, bis wir selbst gut dastehen! Man will sich schließlich keine Blöße geben, und sei es auf Kosten anderer. - Das Tier der Schönfärberei ist festzubinden.
  • Wie viele Menschen leben in ständiger Angst, zu kurz zu kommen oder die Angst, sein Leben nicht bewältigen zu können. - Bei diesem wilden Tier wird klar, dass wir es nicht einfach festbinden oder davonjagen können.

Von jenem heiligen Antonius erzählt die Legende: Eines Tages kam ein wilder Löwe zu ihm, jedoch angeschlagen. Er hatte sich einen Dorn in seine Pfote getreten. Antonius untersuchte ihn und zog den Dorn heraus. Seit dieser Zeit hatte Antonius den Löwen gezähmt. Die wilden Tiere - wie etwa das der übermäßigen Angst - müssen wir zuerst in Ruhe anschauen. Wir müssen zugeben, dass das jeweilige Tier tatsächlich in uns da ist. Allein die Tatsache, dass wir dieses Tier nicht verheimlichen müssen, wirkt schon stärkend. Kräfte werden freigesetzt. Dann beginnt unsere "Wüste" zu erblühen.


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