Predigten aus dem Leben gehalten von :

Pfarrer Lothar Klinges,
Lindenstraße 25, B - 4750 Bütgenbach-Berg / Weywertz
Tel. 003280446069; Telefax: 003280447769

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Predigten Österliche Bußzeit
3. Sonntag - A

Joh 4,5-15. 19b-26. 39a. 40-42
27. Februar 2005

In jener Zeit kam Jesus zu einem Ort in Samarien, der Sychar hieß und nahe bei dem Grundstück lag, das Jakob seinem Sohn Josef vermacht hatte. Dort befand sich der Jakobsbrunnen. Jesus war müde von der Reise und setzte sich daher an den Brunnen; es war um die sechste Stunde. Da kam eine samaritische Frau, um Wasser zu schöpfen. Jesus sagte zu ihr: Gib mir zu trinken! Seine Jünger waren nämlich in den Ort gegangen, um etwas zum Essen zu kaufen. Die samaritische Frau sagte zu ihm: Wie kannst du als Jude mich, eine Samariterin, um Wasser bitten Die Juden verkehren nämlich nicht mit den Samaritern. Jesus antwortete ihr: Wenn du wüsstest, worin die Gabe Gottes besteht und wer es ist, der zu dir sagt: Gib mir zu trinken!, dann hättest du ihn gebeten, und er hätte dir lebendiges Wasser gegeben. Sie sagte zu ihm: Herr, du hast kein Schöpfgefäß, und der Brunnen ist tief; woher hast du also das lebendige Wasser? Bist du etwa größer als unser Väter Jakob, der uns den Brunnen gegeben und selbst daraus getrunken hat, wie seine Söhne und seine Herden? Jesus antwortete ihr: Wer von diesem Wasser trinkt, wird wieder Durst bekommen; wer aber von dem Wasser trinkt, das ich ihm geben werde, wird niemals mehr Durst haben; vielmehr wird das Wasser, das ich ihm gebe, in ihm zur sprudelnden Quelle werden, deren Wasser ewiges Leben schenkt. Da sagte die Frau zu ihm: Herr, gib mir dieses Wasser, damit ich keinen Durst mehr habe und nicht mehr hierher kommen muss, um Wasser zu schöpfen. Ich sehe, dass du ein Prophet bist. Unsere Väter haben auf diesem Berg Gott angebetet; ihr aber sagt, in Jerusalem sei die Stätte, wo man anbeten muss. Jesus sprach zu ihr: Glaube mir, Frau, die Stunde kommt, zu der ihr weder auf diesem Berg noch in Jerusalem den Vater anbeten werdet. Ihr betet an, was ihr nicht kennt, wir beten an, was wir kennen; denn das Heil kommt von den Juden. Aber die Stunde kommt, und sie ist schon da, zu der die wahren Beter den Vater anbeten werden im Geist und in der Wahrheit; denn so will der Vater angebetet werden. Gott ist Geist, und alle, die ihn anbeten, müssen im Geist und in der Wahrheit anbeten. Die Frau sagte zu ihm: Ich weiß, dass der Messias kommt, das ist: der Gesalbte - Christus. Wenn er kommt, wird er uns alles verkünden. Da sagte Jesus zu ihr: Ich bin es, ich, der mit dir spricht. Viele Samariter aus jenem Ort kamen zum Glauben an Jesus. Als die Samariter zu ihm kamen, baten sie ihn, bei ihnen zu bleiben; und er blieb dort zwei Tage. Und noch viel mehr Leute kamen zum Glauben an ihn aufgrund seiner eigenen Worte. Und zu der Frau sagten sie: Nicht mehr aufgrund deiner Aussage glauben wir, sondern weil wir ihn selbst gehört haben und nun wissen: Er ist wirklich der Retter der Welt. (Joh 4,5-15. 19b-26. 39a. 40-42)

Liebe Mitchristen,

An der Quelle saß der Knabe.
Ja, wer von uns sitzt nicht gerne an der Quelle... ohne lange Umwege, sofort das erreichen, was man möchte. Zu Menschen, die an der Quelle sitzen, gehen wir gerne hin. Wir glauben, dass diese Menschen uns helfen, sitzen sie doch an der Quelle... ohne lange Umwege... eben Menschen mit einem "langen Arm", die suchen wir.

Um das "An-der-Quelle-Sitzen" geht es auch im heutigen Evangelium. Weil es in der Stadt Sychar keine Quelle mit frischem Wasser gab, mussten die Frauen das kostbare Gut in großen Gefäßen aus dem Jakobsbrunnen den Berg hinauf schleppen.

Unser heutiges Evangelium berichtet von einer solchen Frau. Für sie wird das Wasserholen allerdings zu einem Ereignis, das ihr Leben völlig verändern sollte. Es fängt schon damit an, dass sich ein unbekannter Mann zu ihr an den Brunnen setzt - gesellschaftlich unmöglich, ja, geradezu anzüglich! Denn der Brunnen ist seit Alters her der Ort, an dem sich junge Frauen und Männer - ansonsten stets in Geschlechtergruppen getrennt - kennen lernen können.

Darüber hinaus haben Männer an diesem Ort nichts zu suchen. Welche Absicht hat also der Fremde, der noch dazu ein Jude ist, einer, der sich mit Samaritern nicht abgibt? Er bittet sie um Wasser; er, der gesellschaftlich weit über ihr steht, bittet sie um etwas! Wie könnte sie ihm denn je das Wasser reichen? Die Frau ist irritiert. Was erwartet dieser Mensch von ihr?

Jesus sieht das ganz anders. Er ist auf dem Weg nach Galiläa und wählt den Weg über den kleinen Landstrich Samarien. Von der langen Reise ermüdet, gönnt er sich eine Ruhepause am Brunnenrand. Er sieht eine Frau mit ihrem Schöpfgefäß und bittet sie um einen Schluck Wasser. Jesus provoziert sie mit seiner Bitte um Wasser, weil er nicht gelten lassen will, dass es ihr aus gesellschaftlich-religiösen Gründen nicht möglich ist, ihm diese Bitte zu erfüllen. Er provoziert sie, weil er sie auf etwas aufmerksam machen will: Es liegt an ihr, zu erkennen, dass sie es ist, die doch direkt an der Quelle sitzt! Sie hat die Freiheit, aus dieser Quelle zu schöpfen, zu nehmen und zu geben!

Und Jesus geht noch weiter. Er macht sie darauf aufmerksam, dass sie auch noch an einer ganz anderen Quelle sitzt, einer Quelle, die ein Wasser von ganz anderer Qualität verschenkt: Er selbst, Jesus! Er selbst will Quelle sein für sie. Er spricht zu ihr: "Das Wasser, das ich gebe, wird im Menschen zur sprudelnden Quelle." Die Frau am Jakobsbrunnen lässt sich darauf ein, ganz konkret: Sie hatte sich ihr Leben lang immer wieder mit anderen Männern eingelassen. So glaubte sie ihr Glück zu finden. Erst Jesus kann ihr die Augen öffnen und sie zu ihrer eigenen Lebensquelle führen. Durch Jesus begreift sie: "Ich habe keinen Mann!"

Das Erkennen ihrer Lebenslüge führt die Frau zu ihrer eigenen Sehnsucht zurück: Da gibt es jemanden, der mir dabei helfen will, mein Leben zu meistern. Da gibt es jemanden, der mich bedingungslos liebt, so wie ich bin. Aus der Beziehung zu Jesus kann sie wieder Hoffnung schöpfen und neu auf andere Menschen zugehen.

Eine schöne Geschichte mit Happy End. Es ist letztlich auch unsere Geschichte! An diesem Brunnenrand, dort sitzen auch wir, jeder Einzelne von uns. Wie oft sitzen wir an der Quelle und merken es nicht? An uns liegt es, zu schöpfen, zu nehmen und zu geben: Da sitzen wir im Auto und beobachten, wie sich jemand bemüht, aus seiner Garage rückwärts in eine schnell befahrene Straße zu stoßen. Wir könnten ihm die Vorfahrt schenken, doch oft sind wir mit den Gedanken ganz woanders; da haben wir noch einiges vom Kuchen übrig und wissen genau, dass sich unsere Nachbarin über ein Stück freuen würde; da haben wir handwerkliche Talente und nutzen sie nicht; da könnten wir jemandem Trost spenden, doch wir trauen uns nicht, auf ihn zuzugehen. Was hält uns davon ab, etwas davon weiterzugeben?

Wo sitzen wir an der Quelle und merken es nicht? Wenn wir uns auf unsere Lebensquelle Jesus Christus besinnen, dann können wir auch unsere anderen Quellen, unsere Talente und Fähigkeiten ganz anders entdecken und einbringen! Vergessen wir nicht: Jesus selbst will für uns zur Quelle werden, möchte unsere vertrockneten Lebensadern wieder aufschließen. Können wir es zulassen?

Liebe Mitchristen, ... auch wir können heute darauf vertrauen, dass Jesus unsere Lebensquelle aufschließen will. Er gibt an uns weiter, was auch er vom Vater bekommen hat. Bei ihm sind wir an der richtigen Quelle. Amen.


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