Predigten aus dem Leben gehalten von :

Pfarrer Lothar Klinges,
Lindenstraße 25, B - 4750 Weywertz
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Predigten Österliche Bußzeit
Aschermittwoch - A

Mt 6,1-6.16-18
13. Februar 2002

Liebe Mitchristen,

Euch wird es auch schon aufgefallen sein: Je leerer unsere Kirchen werden, um so voller werden die Fitness-Studios, von denen es in unserer Gegend immer mehr gibt. Schon eine eigenartige Feststellung: Experten sprechen sogar davon, dass der weit verbreitete Körperkult so eine Art Religionsersatz ist.

Interessanter weise gibt es mehrere Parallelen zwischen der Kirche hier und dem Fittness-Studio: Beiden geht es in gewisser Weise um die Vervollkommnung des Menschen. Wenn es um den Körper geht, scheuen viele Menschen unserer Tage keine Anstrengung, ihren Körper fit zu halten. Mit viel Ausdauer und Selbstdisziplin bemüht man sich intensiv um seinen Körper in Form zu bringen, um irgend einem Idealbild - meist aus dem Fernsehen - zu entsprechen.

Die österliche Bußzeit, die mit dem heutigen Aschermittwoch begonnen hat, ist wie ein Fitness-Programm, das aber tiefer geht und nicht so oberflächlich wie die Fitnessstudios unserer Tage.

Dabei geht es nicht um einen formschönen und gestählten Körper. Sondern hier geht es um den ganzen Menschen, mit Leib und Seele.

Im Gegensatz zu den Fitnessstudios reduziert die Kirche den Menschen nicht auf das Äußere, auf Haut, Fleisch und Muskeln, sondern auch auf den ganzen Menschen. Das ist das Programm Jesu Christi: Er will, dass der Mensch immer mehr zu dem wird, was er eigentlich sein könnte.

Das Idealbild des Evangeliums ist dabei nicht bloß ein äußerlich durchgestylter Körper, sondern es ist der durch und durch vom Geist Gottes geformte Mensch.

Und wieder ist es genau wie im Fitness-Studio: Vom Idealbild sind wir alle weit entfernt. Und es kostet viel Anstrengung, einen starken Willen, Ausdauer und Selbstdisziplin, um dem Ideal wenigsten ein bisschen näher zu kommen. Wie im Fitness-Studio helfen dabei auch bestimmte feste Übungen, die immer wieder und ganz regelmäßig praktiziert werden müssen. Wie im Fitness-Studio gibt es auch in der Kirche Leute, die schnell aufgeben, die meinen, das alles mache doch keinen Sinn, oder die aufgeben, weil sie nicht sofort den Erfolg sehen. Trainieren, Üben: Das braucht es im Fitness-Studio, das braucht es auch im Glauben. Mit nur einmal zur Kirche gehen, oder einmal besonders großzügig bei der Kollekte von Miteinander Teilen zu sein, bringt es nicht. So stellt sich der Erfolg nicht ein.

Die vierzig Tage bis Ostern ist wie eine intensive Fitness-Kur für den ganzen Menschen, für Leib und Seele. Das Evangelium vom Aschermittwoch bietet uns drei Basisübungen an, die immer wiederholt werden müssen, damit sich etwas verändern kann; Wie alle Übungen, kosten diese natürlich auch Kraftanstrengung und Selbstdisziplin. Von nichts kommt ja bekanntlich auch nichts.

Diese drei Fitness-Übungen lauten:

Almosen geben, Gebet und Fasten. Almosen geben bedeutet nicht nur, hin und wieder etwas in die Kollekte zu werfen, sondern sensibel sein für die Sorgen und Nöte der Mitmenschen, hier bei uns und in der Dritten Welt. Unsere Welt - das weiß ja unterdessen jedes Kind - hängt am seidenen Faden. Also habe ich ein waches Gespür für die Nöte der anderen, die meine Hilfe brauchen. Und anstatt schöne Sprüche zu klopfen, bin ich bereit mit anzupacken... hier bei uns ganz konkret. Das heißt "Almosen geben".

Beten bedeutet: immer wieder die Verbindung mit Gott suchen, aus dieser Mitte heraus zu leben und neue Kraft zu schöpfen. Denn allein schaffe ich es nicht. Ich brauche diese Kraft von oben. Im Gebet werde ich mir bewusst, was Gott von mir will.

Und Fasten: Manche Leute haben noch immer ein antiquiertes Verständnis von Fasten: Es geht doch nicht darum, weniger zu rauchen, oder weniger Süßigkeiten zu essen. Das wäre doch zu einfach und zu dumm. Im Gegenteil, es geht darum, in den Blick zu nehmen: Was tut mir wirklich gut? Und dazu hilft es, wenn ich auf manches verzichte, was ich sonst so selbstverständlich habe, damit ich den Blick dafür frei bekomme für das, was ich wirklich zum Leben brauche.

Also Ihr seht: Almosen geben, Beten und Fasten. Das sind drei Basis-Übungen für eine echte Fitness-Kur. Während es im Fitness-Studio nur darum geht, den Körper in Form zu bringen, geht es hier um sehr viel mehr: um den ganzen Menschen, Leib UND Seele.

Wisst Ihr: So sehr Ihr euch auch anstrengt und euren Körper durchtrainiert, eines Tages wird er doch alt, krank und schlapp werden. Ich kann mich noch so abzappeln, das werde ich nicht verhindern.

Mehr noch, eines Tages wird mein Körper ganz zu Staub zerfallen. Das wird uns am heutigen Aschermittwoch durch das Zeichen des Aschenkreuzes ganz ungeschminkt gesagt: "Bedenke, Mensch, dass du Staub bist und zum Staub zurückkehrst!" Unser Körper, so viel Kult du um ihn treibst, der bleibt nicht. Sorge dich also um das, was wirklich bleibt.

Ich lade Euch ein, in dieser österliche Bußzeit bis Ostern mit diesen drei Basisübungen anzufangen und zu schauen, was sich verändert in unserem Leben, ob wir nicht mehr zu dem werden, der wir von Gott her sein könnten.

SEGNUNG DER ASCHE

Barmherziger Gott.
Wir wissen, dass Asche und Staub auf uns warten, aber am Ende das Kreuz steht, das du uns barmherzig entgegenhältst wie einen Schlüssel, der alle Türen öffnet. So segne diese Asche und alle, die gekommen sind, mit dir an der Seite einen neuen Anfang zu wagen.
(Bei der Austeilung darf der Spruch je nach Adressat wechseln/dazu Orgelmusik)
  • Bekehre dich und glaube an das Evangelium
  • Denk daran, du bist Staub, aber Jesus wird dich auferwecken
  • Kehr um, und glaube an die gute Nachricht: Jesus ist der Herr!
  • Du bist Staub, aber das Kreuz ist stärker
  • Gott liebt dich - antworte darauf!
  • Gottes Liebe sucht dich, lass dich finden, damit du lebst
  • Am Ende der "Aschenzeit" steht die Auferstehung. - oder ähnlich

Text:
Der Tod als das Ende des Lebens

Der alte Mensch nimmt den Tod als das selbstverständliche Ende eines langen Lebens an und richtet sich, ohne zu klagen, auf ihn ein. Er begegnet ihm mit einer eigentümlichen Gefasstheit. So bei Israel, wenn er spricht: "Mein Sohn Josef lebt noch. Ich will hingehen und ihn sehen, bevor ich sterbe" (Gen 45,28). Ja, Israel stirbt gerne, da sein letzter Wunsch erfüllt ist und er Josef wiedergesehen hat (Gen 46,30). "Mit Ergebenheit und wirklicher innerer Bereitschaft wurde der Tod im Alter nur dann hingenommen, wenn das Leben ein erfülltes Leben war, das heißt vor allem, wenn man mit anschauen durfte, wie Kinder und Kindeskinder gediehen" [L. Wächter) ... Als Unheil angesehen wird der frühzeitige oder plötzliche Tod ... Der als Unheil empfundene Tod wird häufig als ein "in die Unterwelt hinabsteigen" bezeichnet. So spricht beispielsweise Jakob nach dem Verlust Josefs: "Ich will trauernd zu meinem Sohn in die Unterwelt hinab!" (Gen 37,35)... "Das Wort von der Unterwelt korrespondiert hier also mit dem bösen Tod, dem Tod in Verzweiflung, während das Wort vom Sterben mit dem guten Tod korrespondiert, dem Tod im Alter als Erfüllung"

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