Predigten aus dem Leben gehalten von :

Pfarrer Lothar Klinges,
Lindenstraße 25, B - 4750 Weywertz
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Predigten zur Osterzeit - Lesejahr A
3. Sonntag

Lk 24, 13-55
18. April 1999

Liebe Mitchristen,
Santiago hieß der alte Fischer, von dem der amerikanische Dichter Ernst Hemingway erzählt. MANOLIN, ein Junge, hatte ihn oft in seinem Boot aufs Meer begleiten dürfen. Einmal jedoch konnte er 84 Tage hintereinander nicht einen Fisch fangen. So fuhr er dann am nächsten Tag allein hinaus, diesmal aber viel weiter als sonst auf das offene Meer. Nur einen großen Fisch wollte er an die Leine bekommen. Und wirklich es passiert. Ein großer Schwertfisch beißt an. Er ist länger als das Boot des alten Fischers Santiago. Zwei Tage und zwei Nächte dauert der Kampf zwischen dem Fisch und dem alten Mann. Der Fisch zieht ihn meilenweit auf den Ozean hinaus. Doch einmal kommt er dem Boot so nahe, dass Santiago ihn mit seiner Harpune töten kann. Er bindet ihn an sein Boot an und rudert auf die Küste zu. Von diesem Fisch würde er mehrere Monate leben können. Plötzlich kommen Haie und fallen den großen Fisch an. Der alte Mann versucht sie mit allen Mitteln zu vertreiben. Es gelingt ihm nicht. Als er am Strand ankommt, hängt nur noch das Gerippe des Fisches an seinem Boot.

Enttäuscht legt er sich schlafen, nur Manolin, der sich vorstellen kann, wie der alte Mann gekämpft hat, bewundert ihn. Am nächsten Tag erzählt der alte Mann Manolin, was er erlebt hat. Einen Satz kann Manolin seitdem nicht mehr vergessen: "Aber der Mensch darf nicht aufgeben!" hatte ihm Santiago gesagt, obwohl ihm die Haie die große Beute einfach weggeschnappt hatten. Und er hatte wirklich nicht aufgegeben, sondern bis zuletzt um seinen Fisch gekämpft.

AUFGEBEN aber wollten die Jünger. Sie waren enttäuscht, tief enttäuscht, so enttäuscht, wie man enttäuschter nicht sein kann. Was hatten sie diesem Jesus von Nazareth nicht alles geglaubt? Wie begeistert waren sie von ihm gewesen. Und jetzt auf einmal war er nicht mehr da, tot, einfach tot. Was sollten sie jetzt noch tun, nachdem alles aus war? Das ist's dann wohl gewesen! Hat unser Leben überhaupt noch einen Sinn? "Wir können nur noch aufgeben!"... haben sich die Jünger gedacht. Und mehr noch: Jesus war doch der "große Fisch", den wir doch schon sicher an der Angel hatten. Was hatte er nicht alles getan? Unzählige hatten ihm zugejubelt. Sie meinten schon: Wir haben das große Los gezogen. Mit einem Mal war alles vorbei. Was sollen wir nun machen?

Die Jünger gingen wieder nach Hause und gingen ihrem Beruf als Fischer nach. Aber auch das Fischen wollte nicht glücken. Es war zum Verzweifeln. Und dann sehen sie plötzlich einen Mann am Strand sitzen. "Seltsam!", denken die Jünger. Wer soll sich schon für uns interessieren? Und dann sagt der noch: Wir sollen noch einmal auf den See hinaus fahren und noch einmal fischen. Wir müssen wohl nicht recht bei Trost gewesen sein, dass wir uns einfach auf diesen Fremden eingelassen haben. Doch dann geschieht etwas, womit niemand gerechnet hat. Wir fingen so viele Fische, dass unsere Netze fast schon reißen wollen.

Da gingen uns die Augen auf. Er tat etwas, woran wir ihn sofort erkannten: Er nahm Brot, brach es und gab es ihnen. Jetzt wussten wir, wer er war. Es war Jesus. Er war nicht mehr tot, er lebte.

SANTIAGO, der alte Fischer, hatte den Kampf gegen die Haie verloren. Den größten Fang seines Lebens konnte er nur noch als Gerippe nach Hause bringen. Die Leute würden ihn sicher auslachen. Doch dann hatte er zu Manolin, dem Jungen gesagt: "Man kann zwar vernichtet werden, aber der Mensch darf nicht aufgeben!" Das hätte auch Jesus zu seinen Jüngern gesagt: Seht, die Menschen haben mich zwar getötet, doch überzeugt euch: Ich lebe!

Wer kennt sie nicht, diese berühmte Geschichte von den Fröschen, die in einen Milchkrug gefallen waren. Der eine von ihnen hatte rasch aufgegeben und war ertrunken. Der Zweite strampelte die ganze Nacht durch und konnte sich so eine einigermaßen feste Basis aus Butter erarbeiten und konnte sich so retten. Leider ist das Leben oft ungnädiger und härter als schöne Geschichten. Unser Mut und Durchhaltevermögen können auf harte Proben gestellt werden. Da ist es oft schwer, den Mut zu behalten, nicht aufzugeben, sich weiter einzulassen, die Menschen zu lieben, an das Gute in ihnen zu glauben und sich immer wieder neu begeistern zu lassen.

Der hl. Franz von Sales drückt es so aus: "Besiegt ist nur, wer den Mut verliert. Sieger ist jeder, der weiterkämpfen will" ("N'est vaincu que celui qui perd courage. Pour être vainqueur, il faut vouloir continuer de combattre") Wenn wir das Leben so sehen, haben wir auf jeden Fall gewonnen und das ist auch das, was Jesus mit AUFERSTEHUNG meinte.

N.B.: In den vergangenen Wochen wurde ich mehrmals gefragt, warum ich in diesem Jahr denn das OSTERLACHEN unterlassen habe. Ihr erinnert euch: Jedes Jahr erzählte ich Euch in der Osternacht als Zeichen des neuen Lebens nach der Fastenzeit und als Zeichen der Auferstehung, nach uralter Tradition, einige Witze damit wir in lautes Gelächter ausbrechen konnten... das sog. Osterlachen. In diesem Jahr habe ich es bewusst wegen des Krieges im Kosovo unterlassen... die Bilder der Vertriebenen und Deportierten in den Tagen des Karwoche haben dazu geführt, vom Osterlachen Abstand zu nehmen... da mir das Lachen regelrecht vergangen ist... auch wenn wir mit Ostern eine wahrhaft frohmachende Osterbotschaft zu verkünden haben. Das zur Klärung auf eine Frage, die mich in den letzten Wochen ständig erreichte.

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