Predigten aus dem Leben gehalten von :

Pfarrer Lothar Klinges,
Lindenstraße 25, B - 4750 Weywertz
Tel. 003280446069; Telefax: 003280447769

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Predigten zur Osterzeit - Lesejahr A
4. Sonntag

Joh 10,1-10
21. April 2002

Predigten in der Osterzeit - Lesejahr A

4. Sonntag der Osterzeit - A - (Joh 10,1-10) - 21. April 2002

Bitte sagen Sie mir Ihre Meinung oder schreiben Sie mir. Meine Anschrift lautet: Pfarrer Lothar Klinges, Lindenstraße 25, B - 4750 Weywertz - Tel. 003280446069 - Telefax: 003280447769 - e-Mail: pfarramt@weywertz.be

In jener Zeit sprach Jesus: Amen, amen, das sage ich euch: Wer in den Schafstall nicht durch die Tür hineingeht, sondern anderswo einsteigt, der ist ein Dieb und ein Räuber. Wer aber durch die Tür hineingeht, ist der Hirt der Schafe. Ihm öffnet der Türhüter, und die Schafe hören auf seine Stimme; er ruft die Schafe, die ihm gehören, einzeln beim Namen und führt sie hinaus. Wenn er alle seine Schafe hinausgetrieben hat, geht er ihnen voraus, und die Schafe folgen ihm; denn sie kennen seine Stimme. Einem Fremden aber werden sie nicht folgen, sondern sie werden vor ihm fliehen, weil sei die Stimme des Fremden nicht kennen. Dieses Gleichnis erzählte Jesus; aber sie verstanden nicht den Sinn dessen, was er ihnen gesagt hatte. Weiter sagte Jesus zu ihnen: Amen, amen, ich sage euch: Ich bin die Tür zu den Schafen. Alle, die vor mir kamen, sind Diebe und Räuber; aber die Schafe haben nicht auf sie gehört. Ich bin die Tür; wer durch mich hineingeht, wird gerettet werden; er wird ein und aus gehen und Weide finden. Der Dieb kommt nur, um zu stehlen, zu schlachten und zu vernichten; ich bin gekommen, damit sie das Leben haben und es in Fülle haben. (Joh 10,1-10)

Liebe Mitchristen,

Wenn ich "Türe" höre, fallen mir lange Flure in Krankenhäusern ein mit Nummern drauf. Und ich muss dann die Türe mit der richtigen Nummer finden. Und das ist nicht einfach so ganz einfach in den riesigen Unikliniken. So manches Mal habe ich länger nach der richtigen Tür suchen müssen... oder man hat mir die falsche Nummer durchgegeben und ich landete im Zimmer eines anderen Kranken.

Jesus geht es natürlich nicht darum, dass wir die richtige Türe zum Krankenzimmer finden. Vielmehr ist er die rettende Tür, die uns zum wahren Leben führen will.

Wer von uns ist nicht schon an vielen Türen vorüber gelaufen, ist hier oder da eingetreten und musste feststellen, dass es die falsche Tür war. Diese Erfahrung machen viele Menschen... ich habe den Eindruck immer mehr. In meiner "Praxis" als Seelsorger erlebe ich dies immer öfter: Es sind die suchenden, unzufriedenen Menschen, die sich nicht für eine bestimmte Tür entscheiden können. Junge Menschen, die sich für einen schulische Ausbildung oder für einen Beruf entscheiden müssen.

Ich denke an viele Menschen, die nicht wissen, ob sie sich operieren lassen sollen oder nicht, ob sie die Therapie mitmachen sollen oder aber nicht. Ich denke an Menschen, die eine Beziehung voller tiefer Schmerzen beenden, weil sie in dieser Beziehung nicht froh werden konnten. Oder einen jungen Menschen, die an meiner Tür steht und nicht mehr weiter weiß, und der mich bittet mit ihm nach der richtigen Tür zu suchen. Suchende Menschen möchten gerne eine Tür finden, die zum Leben führt, die sie froh und zufrieden werden lässt. Es gelingt selten.

Aber es gibt auch das andere: Menschen finden die richtige Tür und finden ihr Glück, im Beruf, in der Partnerschaft. Dazu gehören wohl auch jene Menschen, die eine geistliche Berufung erfahren haben und ihre Berufung in voller persönlicher Überzeugung ergriffen. Am vergangenen Sonntag feierte unsere Dekanat das 60., d.h. Diamantene Priesterjubiläum von Pater Ludwig Jost in Honsfeld. Welch tiefes Zeugnis eines Menschen, der vor 60 Jahren die richtige Tür fand und das Leben gefunden hat.

Solche Menschen sind natürlich eine Minderheit in der Kirche. Das sind die Menschen, die die Stimme des Guten Hirten gehört haben und dieser Stimme vertraut haben. Solche Menschen brauchen wir notwendiger denn je in unserer Kirche. Am heutigen Sonntag beten wir zum Weltgebetstag ausdrücklich für geistliche Berufe.

Ich möchte jetzt nicht allgemein über geistliche Berufe sprechen, sondern lieber auf eines der großen Vorbilder schauen, die wir in wenigen Tagen, am 29. April feiern werden: Es ist die heiligen Katharina von Siena, die im 14. Jahrhundert lebte.

Von ihr stammt der Satz: "Gebt euch nicht mit Kleinem zufrieden, Gott erwartet Großes." Wo der Beginn ihrer Berufung liegt, ist schwer zu sagen. Bereits als junges Mädchen musste sie sich gegen ihre Familie durchsetzen, der es nur ums Materielle und den Konsum ging. Ihr ging es dagegen wirklich nur um Gott, nur um Christus - um nichts sonst.

Katharina erlebte dabei so manche Krisen, Depressionen, Verlockungen, Versuchungen. Katharina wendet sich mehr und mehr den Menschen zu. Sie lässt sich von der Not der Menschen beanspruchen. Viele Aufgaben führt sie in ihrem Leben. All dies hier aufzuführen, würde zu weit führen. Vor allem aber - und damit ist sie berühmt geworden - spricht sie dem Papst und manchen Bischöfen und Priestern ins Gewissen, sehr scharf und unerschrocken.

Sie schreibt: "Die Priester (Bischöfe, Pfarrer) sind Strohhalme und keine Säulen der Kirche. Sie strömen Gestank aus, mit dem sie die ganze Welt verpesten."

Ist es nicht beachtlich? Diese ungeheuerliche Kritik haben viele Mächtigen der Kirche dieser jungen Frau, die noch nicht einmal dreißig Jahr alt war, abgenommen. Mit folgenden Worten ermahnte sie den Papst: "Seien Sie nicht ein ängstlicher Säugling, sondern ein Mann!" Dann ermahnt sie den Papst, hart gegen manche Bischöfe durchzugreifen, denen es nur um Prunk und Macht ging: "Bischöfe sollen Gott suchen, statt wie Schweine zu leben."

Genau das sind Worte einer Heiligen. Und es ist doch eine Besonderheit, dass die Kirche solch eine mutig Frau heilig gesprochen hat. Sie wurde zum Vorbild, auch für unsere Zeit, als eine Frau, die auf die Stimme des Guten Hirten gehört hatte. Wie sieht es mit unseren Vorbildern aus? Können wir uns noch von solchen Vorbildern, wie dieser Frau, begeistern lassen. Für sie war Christus jene Tür, durch die sie eintrat. Sie hilft mit, dass auch heute Menschen Christus, die Tür, finden. Lassen auch wir Jesus zur TÜR herein. Geben wir ihm die Möglichkeit in unseren Familien und Ehen herein zu kommen.

In den fast 20 Jahren meines Priesterlebens habe ich dabei schon viele ermutigende Zeichen gesehen, wo Familien und Ehen Jesus durch die Tür hereingelassen haben:

  1. Da gibt es Mütter, die auf den Wunsch der Kinder eingehen und mit ihren zum Gottesdienst gehen. Heutzutage stelle ich immer öfter fest, dass es die Kinder sind, die gerne am Gottesdienst teilnehmen möchten, aber die Eltern lieber "in Ruhe gelassen" werden möchten. Und andere Eltern beruhigen dann ihr schlechtes Gewissen, in dem sie bösen Geistes verbreiten, dass die Kinder von ihren Eltern nur gezwungen würden am Gottesdienst teilzunehmen.
  2. Da gibt es Paare, die bezeichnen sich gegenseitig und ihre Kinder mit dem Kreuz auf die Stirn - Da versammeln sich am Abend Familien vor dem Kreuz zum Gebet und danken für den Tag
  3. Da lesen Ehepaare miteinander in der hl. Schrift anstatt sich von der Glotze berieseln zu lassen.
  4. Da betrachten Eltern mit ihren Kindern Abend für Abend eine Bilderbibel.

So wird Christus auch heute noch in vielen Familien hereingelassen. Öffnen wir ihm ganz weit unsere Türen.


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