Predigten aus dem Leben gehalten von :Pfarrer Lothar Klinges,Lindenstraße 25, B - 4750 Weywertz Tel. 003280446069; Telefax: 003280447769 Zurück zur Predigtauswahl |
Predigten zur Osterzeit - Lesejahr A
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In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern: Wenn ihr mich liebt, werdet ihr meine Gebote halten. Und ich werde den Vater bitten, und er wird euch einen anderen Beistand geben, der für immer bei euch bleiben soll. Es ist der Geist der Wahrheit, den die Welt nicht empfangen kann, weil sie ihn nicht sieht und nicht kennt. Ihr aber kennt ihn, weil er bei euch bleibt und in euch sein wird. Ich werde euch nicht als Waisen zurücklassen, sondern ich komme wieder zu euch. Nur noch kurze Zeit, und die Welt sieht mich nicht mehr; ihr aber seht mich, weil ich lebe und weil auch ihr leben werdet. An jenem Tag werdet ihr erkennen: Ich bin in meinem Vater, ihr seid in mir, und ich bin in euch. Wer meine Gebote hat und sie hält, der ist es, der mich liebt; wer mich aber liebt, wird von meinem Vater geliebt werden, und auch ich werde ihn lieben und mich ihm offenbaren. (Joh 14,14-21)Bei meinen Brautgesprächen höre ich immer wieder heraus, wie jene, die heute heiraten wollen, unter starkem Druck anderer stehen. Im Freundes- und Bekanntenkreis unserer Brautleute sind immer mehr, die nicht verheiratet sind und nicht viel von Ehe halten. Dass Menschen heute noch heiraten stößt immer mehr auf Unverständnis. "Dass du mit einer Frau zusammenlebt - das finde ich ja ok. Dass du sie heiraten willst ist doch heutzutage nicht mehr in. Das macht "man" doch nicht mehr. Das ist doch total altmodisch. Und dass Du jetzt auch noch in der Kirche heiraten willst, ist doch total bekloppt. Dann wirst du sie ja gar nicht mehr los!" Solche Sprüche bekommen jene zu hören, die auch heute noch heiraten wollen. Solche Redensarten verraten Lebenseinstellungen, die in unserer heutigen Gesellschaft scheinbar "in" sind, wie z.B.: "Ich gebe doch nicht meine Freiheit auf!" oder "Treue ist, so lange zusammenzubleiben, wie es hält." Oder "Wozu brauchen wir das Standesamt oder die Kirche. Wenn wir uns lieben, das genügt. Warum sich noch die Zwangsjacke mit der Kirche anziehen?" Das sind Aussagen heutzutage nicht nur junger Menschen über die Ehe. Die Ehe scheint für viele nicht mehr die Lebensform zu sein, die noch Glück verheißt. Ehe wird vielfach als Institution empfunden, die einengt, die persönliche Freiheit nimmt, die einen festlegt auf Dinge, welche man vielleicht in einigen Jahren gar nicht mehr will. Ehe, Unauflöslichkeit oder Treue... das scheinen für viele Fremdwörter zu sein. Dann hören wir heute im Evangelium, dass es um das Gebote-Halten geht: "Wenn ihr mich liebt, werdet ihr meine Gebote halten." Für die Juden galt: Wer möglichst alle Gebote und Vorschriften hielt, lebte nach Gottes Willen. Was ist daran für das heutige Lebensgefühl "frohe Botschaft"? Jesus schafft keine Gebote ab. Er stellt die Gebote in einen neuen Zusammenhang. Er wechselt den Blickwinkel. Er verwandelt die Gebote, indem er sie der Liebe unterstellt. Jesus sagt nicht: "Ihr müsst alle Gebote halten!" Vielmehr: "Wenn ihr mich liebt, werdet ihr meine Gebote halten." Anders ausgedrückt: Jesus fragt nicht zuerst: "Hältst du meine Gebote?", sondern: "Liebst du mich?" Es kommt also auf die persönliche Beziehung zu Jesus Christus an. Wenn diese Beziehung von Liebe geprägt ist, dann wird alles andere folgen. Wenn zwei Menschen spüren, dass zwischen ihnen die Liebe wächst, dann fragen sie zunächst nicht nach den Verpflichtungen, die durch eine feste Verbindung entstehen. Sie haben Freude am anderen. Sie möchten, dass es der Partnerin bzw. dem Partner gut geht. Und sie erhoffen auch für sich mehr Freude am Leben. Natürlich gibt es auch Enttäuschungen, manchmal auch ein Erwachen über die Schwächen des anderen. Doch die Liebe ist größer und stärker. Wenn diese Kraft der Liebe erhalten bleibt und gar wächst, dann wird auch die Ehe mit allen Verpflichtungen und Einschränkungen, die sie haben mag, nicht zum Gefängnis. In einer echten Liebe braucht niemand zu fürchten, zu kurz zu kommen. Paare, die Ehe so zu leben versuchen, berichten, dass die klare Entscheidung zur Ehe sogar viele Kräfte freisetzt. Genau so verhält es sich in unserer Beziehung zu Jesus Christus. Jesus ist, nicht ein "Aufpasser-Gott", ein Buchhalter, der darüber ob, wir auch schön alle Gebote und Verbote beachten. Nein. Seine Liebe umfass uns ganz und gar. Darum verspricht er uns den Heiligen Geist als Beistand für die Zeit, wenn er nicht mehr sichtbar bei uns sein wird. Er will keine Waisen, die nicht wissen, wo sie hingehören. Er will eine innige Gemeinschaft mit uns: "Ich bin in meinem Vater, ihr seid in mir, und ich bin in euch." Wenn Gott so in uns lebt, dann sind seine Gebote keine Lebenseinschrän-kung, keine Zwangsjacke, wie so manche sagen. Im Gegenteil: sie werden vielmehr unserem Leben eine sinnvolle Ausrichtung geben. In so manchen Herzen unserer Menschen ist die Religion und der Glaube zu einem System von Vorschriften und Geboten verkümmert. Ein solcher Glaube ist nur oberflächlich und stirbt langsam. Ja, wer keine persönliche Beziehung zu Gott hat, dem werden die Forderungen Jesu unerträglich, weil sie nicht von der Liebe aufgefangen sind. Sie werden aber zu zu einer Bereicherung und Sicherung unseres Lebens, wenn wir ihm persönlich begegnen und seine Nähe suchen. |



